Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland

Das deutsche Wahlsystem kann als personalisiertes Verhältniswahlsystem beschrieben werden, das nach im Grundgesetz festgelegten Wahlrechtsgrundsätzen organisiert ist. Doch wie funktioniert das Wahlsystem Deutschland im Detail und durch welche wichtigen Wahlgrundsätze wird das deutsche Wahlrecht geprägt? Welche Besonderheiten weist das deutsche Wahlsystem auf und wie lange existiert es schon in dieser Form?

Wie ist das Wahlsystem Deutschland aufgebaut?
Bei den deutschen Bundestagswahlen stehen jedem Wahlberechtigten zwei Stimmen zur Verfügung. Diese werden als Erst- und Zweitstimme bezeichnet. Rund die Hälfte der im Bundestag vertretenden Abgeordneten wird durch die Zweitstimme, also durch die Verhältnis bestimmt. Mit der Zweitstimme wählen Sie eine Partei, die Sie in der rechten Spalte des Wahlzettels mit einem Kreuz kennzeichnen. Die potentiellen Abgeordneten der einzelnen Parteien sind in Landeslisten organisiert und werden entsprechend der Verhältnisses der errungenen Zweitstimmen in den Bundestag einziehen. Die Zweitstimme gilt als wichtiger als die Erststimme, da sie über die grundsätzlichen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag entscheidet.

Die Erststimme verwirklicht das System der relativen Mehrheitswahl. Mit der Erststimme können Sie einen Direktkandidaten Ihres jeweiligen heimischen Wahlkreises wählen. Derjenige Kandidat, der im Wahlkreis die meisten Stimmen auf sich vereinen kann, zieht automatisch in den Bundestag ein. Die Erststimme steht für den personalisierten Teil des Wahlsystems, da der Wähler seine Stimme hier einer ganz bestimmten, namentlich bekannten Person geben kann.

Wichtig ist noch zu wissen, dass für jedes Direktmandat in einem Bundesland der Partei grundsätzlich ein Listenmandat weniger zusteht. Die regulär 598 Mandate des Bundestages werden nach ihren bundesweiten Zweitstimmenzahlen auf die Parteien verteilt, die auf das ganze Bundesgebiet bezogen entweder mindestens 5 Prozent der gültigen Zweitstimmen bekommen oder (durch die Erststimme) mindestens drei direkte Mandate verbuchen konnten.

Die Fünfprozentklausel und die Grundmandatsklausel
Das Wahlsystem Deutschland weist einige Besonderheiten auf. So kann nur eine Partei in den Bundestag einziehen, die mindestens 5 Prozent der bundesweit gültigen Zweitstimmen auf sich vereinen konnte. Schafft sie es nicht diese Hürde zu überwinden, scheidet sie für die Vergabe von Sitzen grundsätzlich aus. Einzige Ausnahme zu dieser Regel ist, dass eine Partei mindestens drei Direktmandate erringt.
Ziel dieser Regelungen ist es, den Bundestag arbeitsfähig zu erhalten. Denn gibt es zu viele Splitterparteien im Parlament, blockieren die einzelnen Parteien sich bei der Entscheidungsfindung im schlimmsten Fall ständig gegenseitig.

Was sind Überhangmandate
Überhangmandate werden im Wahlsystem Deutschland dann vergeben, wenn eine Partei mehr Direktmandate durch gewonnene Erststimmen in einem Bundesland auf sich vereinen konnte, als ihr gemäß des Ergebnisses der Zweitstimmen im jeweiligen Bundesland zustehen würden. Da sich durch die Überhangmandate die Zahl der Sitze erhöht, wurde das Instrument der Ausgleichsmandate eingeführt. Ausgleichsmandate sollen das durch die Zweitstimmen ermittelte Verhältnis wieder herstellen. Parteien, die keine Überhangmandate haben, bekommen so viele Ausgleichsmandate bis die Sitzverteilung wieder „gerecht“ ist.

Wer darf wählen?
Bei der der deutschen Bundestagswahl darf laut dem Wahlsystem Deutschland jeder wählen, der Deutscher im Sinne des 116 Abs. 1 des Grundgesetzes ist, das 18. Lebensjahr vollendet hat, nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist und seit mindestens drei Monaten seine Wohnung in der Bundesrepublik Deutschland hat oder sich gewöhnlich in Deutschland aufhält. Auch Deutsche, die im Ausland leben, können unter bestimmten Voraussetzungen an der Bundestagswahl teilnehmen. Die Voraussetzungen für das aktive Wahlrecht bei Kommunal- und Landtagswahlen oder den Wahlen zum Europäischen Parlament sind nicht mit den Voraussetzungen zur aktiven Wahl Teilnahme an den Bundestagswahlen identisch.

Auf welche Grundsätze ist das Wahlsystem Deutschland aufgebaut?
In Artikel 38. des Grundgesetztes sind die zentralen Grundsätze des Wahlsystem Deutschland verankert. So sollen Wahlen in Deutschland „frei“, „gleich“, „geheim“, „unmittelbar“ und „allgemein“ sein. Das bedeutet, dass jede Stimme den gleichen Zähl- und Erfolgswert hat, das Wahlrecht unabhängig von Geschlecht oder Religion besteht, die Abgeordneten ohne weitere Zwischenschritte (wie beispielsweise Wahlmänner in den USA) ermittelt werden, die Wähler nicht in ihren Entscheidungen beeinflusst werden und dass die Wahlentscheidung für Dritten nicht erkennbar ist.

Historischer Hintergrund zum Wahlsystem Deutschland
Das deutsche Wahlrecht in seiner jetzigen Form wurde seit dem Jahr 1949 mehrfach verändert, reformiert und modernisiert. So wurden Fragen des Wahlalters, der Größe des Bundestages oder der Sitzverteilung verändert.

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